.

.

   
 Im Zeichen des „X“...
: Genug ist nicht genug
: Der pervertierte Blick
   
home
sitemap
inhalt

 

.

Anonyme Geburt - oder das Recht auf Wissen
»Im Zeichen des „X“ geboren «
....unter einem dunklen Stern, der niemals sein erhellendes Licht in die Vergangenheit werfen wird. Weil dieses Licht erloschen ist. Für immer. 
Ob eine Zukunft ohne Vergangenheit möglich ist, diese Frage muss von jedem Menschen selbst beantwortet werden. Ist ihr Fehlen ohne Bedeutung oder wird es als schmerzender Verlust von Wahrheit empfunden? Eine Wahrheit, die uns Auskunft geben kann über Vergangenes, Gegenwärtiges und am Ende über uns selbst. 
Von Unbekannten geraubt, durch ein Gesetz gedeckt, welches das Recht auf Wissen anderen Maßstäben unterwirft und dies als legitim erachtet. 

Geht es um moralische Wertungen? Nein! Ringen Grundwerte miteinander, so gerät der Zweifelnde in einen Zwiespalt der Entscheidung. Eine Entscheidung, die in diesem Fall ein Anderer zu tragen hat. Jemand, der gerade erst seinen Lebensweg beginnt. Durch die Legitimierung der anonymen Geburt wird aus der eigenen Mutter ein fremdes Wesen, für immer. Aus körperlichen Wirklichkeiten werden Schatten. Aus Gesicht, Sprache, Geruch, Berührung wird ein Phantom, das durch die Nächte schleichen wird. Irgendwann, durch dunkle Stunden, angefüllt mit Zweifel und Angst. Angst, nicht genügt zu haben, Trauer darüber, ungewollt geboren worden zu sein. 
Begleitet von der quälenden Ungewissheit über denjenigen Menschen, von dem man in diese Welt gebracht wurde. Gleichzeitig für immer der Möglichkeit beraubt, mehr über ihn zu erfahren. Gleicht dies nicht dem verzweifelten Ruf in einen dunklen Brunnen, aus dessen Tiefen man als einzige Antwort nur wieder seine eigenen Ängste und Phantasien erhält? Gedanken und Vorstellungen, die keine Resonanz in der Wirklichkeit finden können und deshalb ein Eigenleben zu führen beginnen. 

Die Befürworter der anonymen Geburt sagen, es gilt das Leben des Neugeborenen zu retten, selbst um den Preis des ewigen Zweifels über das Woher und über das Warum.
Aber auch sie müssten doch wissen, dass dieses "Woher" zu den elementarsten Fragen des Menschseins gehört! Die Europäische Menschenrechtskonvention und die bestehenden Gesetze in Deutschland sprechen eine eindeutige Sprache. Sie beharren auf der Verantwortung der Eltern, vor allem der Mutter für ihr Kind, von der sie nicht entbunden werden kann und darf. Vor allem gestehen sie ausdrücklich jedem Kind das Wissen um seine Herkunft, seiner Abstammung zu! 

Wie schmerzhaft der Stachel des Zweifels sein kann, können allein diejenigen nachfühlen, die sich in dieser Situation des Nichtwissens befinden. Diesem Zweifel kann nur durch Aufklärung und Wissen abgeholfen werden. Und geschehe dies "nur", um dann ein Kapitel des eigenen Lebens abschließen zu können. 
Natürlich wird die Suche nach den eigenen Wurzeln nicht zwangsläufig zur Erfolgsgeschichte. Sie ist in den weitaus meisten Fällen mit Ängsten, Schmerz und auch Enttäuschungen verbunden. Doch ist die Entscheidung für oder gegen diese Möglichkeit immer nur individuell zu sehen. Sie obliegt allein dem betroffenen Menschen, der auch die psychischen Konsequenzen zu tragen hat. 
Ob die vorgesehene Gesetzesänderung das Leben von Neugeborenen retten wird, darüber ist Skepsis angebracht.

Lässt man die Betroffenen selbst zu Wort kommen, und dies scheint die einzig adäquate Annäherung an die Problematik zu sein, so fällt die Entscheidung meines Erachtens ziemlich eindeutig aus. Sie propagieren das Grundrecht auf das Wissen um die eigene Herkunft und dieses Recht darf, so hehr die Ziele der Verfechter der anonymen Geburt auch sein mögen, keinem Menschen abgesprochen werden. 

Die Gesellschaft hat denjenigen, die es betrifft, die Chance auf Wissen zu erhalten, dies ist ein Gebot der Menschlichkeit. Folgen wir also den berechtigten Ansprüchen der Betroffenen und ermöglichen ihnen nach wie vor den Weg in ihre Vergangenheit, zu den Wurzeln ihrer Herkunft, wenn sie ihn denn gehen möchten...

(*)Hintergrund:
Accouchement sous X - Die anonyme Geburt in Frankreich

1941 führte das Vichy-Regime in Frankreich die anonyme Geburt ein. Sie sollte Frauen eine Alternative zur Abtreibung bieten, auf die die Todesstrafe stand. Diese Rechtslage hat dazu geführt, dass heute rund 400.000 Franzosen nichts über ihre Herkunft wissen. Im Jahr 1999 wurden noch 560 Kinder "sous X" geboren, rund zehntausend waren es in früheren Jahren. Nach Schätzungen der Organisation Cadco, die betroffene Adoptivkinder und Mütter vertritt, sind zehntausende von Menschen vergeblich auf der Suche nach ihrer Herkunft. Cadco setzt sich seit langem für die Abschaffung der anonymen Geburt ein.
(Quelle: http://www.freitag.de/2001/25/01251801.php)

Informationen zum Thema Anonyme Geburt: 
http://www.tdh.de/content/themen/weitere/....

Gesetzesentwurf:
http://dip.bundestag.de/btd/14/088/1408856.pdf

 

.

  |  druckversion        |nach oben

 
.

  ©copyright 2010, wolfhowl.de