Ernst Barlach war auf verschiedenen künstlerischen Gebieten zu hause. Er war gleichsam bildender Künstler wie Literat.
Neben seiner schriftstellerischen Arbeit schuf er unzählige Zeichnungen, Graphiken und nicht zuletzt viele plastische Werke.
Dabei ließ sich Ernst Barlach im Gegensatz zu anderen modernen Bildhauern, wie etwa Auguste Rodin oder Henry Moore, nicht unbedingt vom Material her leiten. Es war ihm vielmehr Stoff, um seine Vorstellungen, um seine inneren Visionen zu verwirklichen. Die Umsetzung des „Geistigen“ stand gegenüber der sinnlichen Darstellung im Vordergrund.
Was sicher eine gewisse Spannung zwischen der Idee und ihrer sinnlichen Umsetzung im Stoff zur Folge hatte.
Diesen Plastiken scheint die „runde“ Form zu fehlen. Es gibt vielmehr privilegierte Standpunkte zu ihrer Betrachtung. Eine Eigenheit, wie sie eigentlich dem Medium Bild zu eigen ist.
Durch ihre lineare Gestaltung wirken die Werke des Bildhauers manchmal geradezu reliefartig, von dem was sie umgibt klar abgesetzt.
Dennoch sind sie nicht hermetisch in sich geschlossen, sondern fließen in die Welt hinaus. Man spürt die innere Kraft der Figuren mit der sie bestrebt, sind sich im Außen zu verorten.
Ihre strengen Umrisse kommen zweifellos von der Zeichnung her. Sie zeigen Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche, was bei Barlach bezeichnenderweise immer geistiger Natur war.
Überraschender weise tat sich Barlach schwer mit der Abstraktion, die doch eigentlich den geistigen Gehalt der Dinge in ihren Mittelpunkt des Ausdrucks rücken sollte.
Er dagegen benötigte eindeutig die bezeichnende, die sinnliche Struktur des Körpers, um seine Gestaltungsziele zu erreichen.
Gereinigt und klar tritt sie in die Welt. Mit all den Brüchen und Widersprüchen in ihrer realen Verstofflichung durch das Material selbst.
Es ist eine quasi stilistische Steigerung des Wahrnehmbaren, welches den wahren Kern der Dinge zeigt und in eine sinnliche erfassbare Form zwingt.
Und hier liegt genau die Faszination, ja Anrührung durch die Plastiken. Ob es sich nun um den Güstrower Engel oder den lesenden Klosterschüler handelt.
Es sind klare, fast überdeutliche Chiffren einer geistigen Verfassung, einer inneren Haltung, die unmittelbar das Empfinden des Betrachters leiten und mobilisieren.
Durch ihre klare, schnörkellose, ja manchmal fast das Material ignorierende Umsetzung, sind sie eindeutige Zeichen.
Aus diesem Grund "passt" eben eine solche Figur, wie die des lesenden Klosterschülers, so gut in die Szenerie eines Romans.
Es ist ihre Kraft zum Symbol, ihre Einfachheit. Sie scheint jedem Betrachter sofort klar machen zu können, um was es geht.
„Barlach ist primär ein »Linienkünstler«, der geistige Ausdruck überwiegt bei ihm den sinnlichen Reiz. Die Zeichnung im Barlachschen Sinn gibt die Musik der Erscheinung, den Inbegriff der Dinge, das von den Sinnen gereinigte wieder“
(Catherine Krahmer)
Netzressourcen zu Ernst Barlach:
Ernst
Barlach Stiftung Güstrow
www.all-in-all.com/1109.htm
Ernst Barlach Museum Wedel
www.ernst-barlach.de